Cyberrisiken verändern den Blick auf die Finanzbranche

Newsletter vom 16. 10. 2026

Finanziell robuster, technologisch stärker gefordert: Auf der 17. FMA-Aufsichtskonferenz in Wien rückten Cyberangriffe, künstliche Intelligenz und IT-Abhängigkeiten in den Mittelpunkt. Vertreter von Banken, Versicherern und Aufsicht diskutierten, wie sich Risiken verändern – und worauf es bei der Widerstandsfähigkeit künftig ankommt.

Von Mag. Christian Sec

„Das ist die größte Bedrohung der nächsten Jahre.“ Mit diesen Worten beschreibt Erste-Group-Chef Peter Bosek das wachsende Gewicht operativer Risiken durch Cyberangriffe oder KI für die Banken. Auf der FMA-Aufsichtskonferenz wurde deutlich: Europäische Finanzinstitute sind heute finanziell robuster aufgestellt als vor der Finanzkrise. Doch gleichzeitig verändert sich ihr Risikoprofil grundlegend. Die Experten warnten davor, die Widerstandsfähigkeit des Systems weiterhin vor allem über Eigenkapital und klassische Kreditrisiken zu definieren.

Fokus verschiebt sich auf operative Risiken

Das Risikoprofil habe sich „massiv geändert“, erklärt Bosek. Traditionell habe man sich stark auf Kreditrisiken konzentriert; heute gewinnen operative Risiken an Bedeutung. DORA (Digital Operational Resilience Act) – seit 17. Jänner 2025 anwendbar – sei ein Schritt in die richtige Richtung, Dennoch brauche es eine stärkere Verlagerung des Fokus auf operative Risiken. Auch Raiffeisen-Chef Michael Höllerer warnt: „Die Banken müssen ihre operative Resilienz gegen KI, Cyberangriffe und neue Technologien stärken.“ OeNB-Chef Martin Kocher sieht die Risiken ebenfalls zunehmend außerhalb des Finanzsektors wandern: Digitalisierung und KI böten große Chancen, machten aber Cybersicherheit zum zentralen Thema.

Prinzipien statt starrer Regeln

Um mit der Geschwindigkeit des technologischen Wandels Schritt zu halten, plädiert Andreas Brandstetter, CEO der UNIQA Insurance Group, für einen Gesinnungswandel: „Wir brauchen statt einer regelbasierten eine stärker prinzipienbasierte Aufsicht.“ Gerade bei KI könne ein Regelwerk kaum jede Entwicklung vorwegnehmen.

Die EZB hat bereits reagiert: In ihren Aufsichtsprioritäten 2026–2028 ist die operationelle Resilienz ein zentraler Schwerpunkt mit gezielten Prüfungen zu Cybersicherheit, Cloud-Abhängigkeiten und IT-Drittdienstleistern. Für Versicherer gilt DORA ebenfalls seit 2025: In Österreich prüft die FMA unter anderem Cyberresilienz, IKT-Risikomanagement, Drittanbieterabhängigkeiten und die Notfallfähigkeit der Unternehmen.